Die Aidshilfe im Märkischen Kreis konnte im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, Information und Prävention nach 18 Monaten Corona-Pandemie am Donnerstagvormittag zum ersten Mal in Präsenz auftreten. Zu einer Informationsveranstaltung hatte Kristina Felinger, Lehrerin für Pflege und Gesundheit am Gesundheitscampus des St. Elisabeth Hospitals in Iserlohn eingeladen, um ihre 21 Schülerinnen und Schüler, die zur Pflegefachfrau oder -fachmann ausgebildet werden, über HIV informieren zu lassen.

„Ich habe mich nach der langen Zeit des Stillstandes riesig über die Einladung gefreut“, so Peter Müller, für Prävention und Öffentlichkeitsarbeit bei der Aidshilfe für den gesamten Märkischen Kreis zuständig. Er wartet hofft, dass bald wieder normale Verhältnisse einkehren. „Ein ganzer Jahrgang von Schülerinnen und Schülern ist ohne unsere Aufklärung über HIV und andere sexuell übertragbare Erkrankungen und den Einfluss von Drogen auf das Sexualverhalten geblieben“, bedauerte er. Nun sei am Horizont ein Lichtstreifen in Sicht.

Wenn sich die Pandemielage nicht deutlich verschlechtere, gehe er davon aus, dass er wieder in Präsenz in die Schulen könne. „Die ersten Anmeldungen aus Halver und Menden sind da“, konnte Müller mitteilen.

Aufklärung ist nach wie vor wichtig. Das belegen aktuelle Zahlen aus dem epidemologischen Bulletin des Robert Koch Instituts vom November 2020. Die Anzahl der HIV- Neuinfektionen steigt demnach wieder leicht an. 34 Prozent der Fälle wurden 2019 erst mit einem fortgeschrittenen Immundefekt und 15 Prozent erst mit dem Vollbild der Krankheit diagnostiziert. Die Anzahl der Menschen mit HIV-Infektion liegt laut RKI bei 90700. Lag die Zahl der Neuinfektionen pro Jahr mitte der Achtzigerjahre bei ca. 5500, stiegen die Zahlen zwischen 2000 und 2006 wieder deutlich an. Heute infizieren sich jährlich ca. 2600 Personen – mit leicht steigender Tendenz.

Immerhin sind im Jahr 2019 trotz retroviraler Therapien ca. 400 Menschen an den Folgen von HIV verstorben.

Seit Beginn der Epidemie sind über 30000 Todesopfer in Deutschland zu beklagen. Die Gesamtzahl der mit HIV lebenden Menschen hat sich seit Anfang der 1990er Jahre verfünffacht, was unter anderem auf die Einführung der antiretroviralen Therapien zurückzuführen ist. Viel mehr Menschen überleben viel länger. Auch wenn die Therapien zum größten Teil unter fachärztlicher Betreuung erfolgreich verlaufen, gibt es noch viel zu tun.

„Es ist natürlich am besten, sich gar nicht erst zu infizieren, dafür und für Safer Sex werben wir und klären auf“, betonte Peter Müller, denn es gelte immer noch: „Wenn das Virus erst einmal im Körper ist, wird man es nach dem heutigen Stand der Medizin nicht mehr los, auch wenn bei erfolgreicher Therapie die Viruslast so weit gesenkt werden kann, dass die infizierte Person nicht mehr ansteckend ist.“

Peter Müller (l.) und Kristina Felinger (r.) (Foto: Vivien Memisevic)

Peter Müller (l.) und Kristina Felinger (r.) (Foto: Vivien Memisevic)